MedAT-Simulation: Was Dein Übungsergebnis wirklich aussagt
Von der Redaktion · Stand: 21.10.2026

Ein Ergebnis aus einer MedAT-Simulation sagt weniger, als die Prozentzahl verspricht. Derselbe Gesamtwert von 72 Prozent hätte 2024 an allen vier Standorten für einen Humanmedizin-Platz gereicht, 2021 an keinem. Der Grund: Der MedAT wird nicht normiert, die Schwierigkeit der Aufgaben schlägt voll auf jedes Ergebnis durch.
Das gilt für den echten Test. Für eine Übung mit anderen Aufgaben, zu Hause und ohne Antwortbogen, gilt es erst recht. Wegwerfen musst Du Deine Übungswerte trotzdem nicht. Du musst sie nur richtig lesen.
Warum ist ein Übungsergebnis nicht übertragbar?
Weil der MedAT absolut zählt. Laut den Verordnungen aller vier Standorte ist jeder Testteilwert der Anteil richtig gelöster Aufgaben, der Gesamtwert die gewichtete Summe dieser Anteile. Es gibt keinen Prozentrang und keinen Abgleich mit anderen Jahrgängen. Ist ein Testbogen schwerer, sinken alle Ergebnisse, und mit ihnen die Grenze. Ist Deine Übung leichter als der Testtag, liegt Dein Übungswert entsprechend zu hoch, und umgekehrt.
Dazu kommen drei Unterschiede, die Du selbst in der Hand hast oder zumindest kennen solltest:
- Die Aufgaben: Die Universitäten stellen im Virtuellen Medizinischen Campus (VMC) Beispielaufgaben und Online-Übungstests bereit. Wie gut diese die Schwierigkeit des Testtags abbilden, haben sie nicht veröffentlicht. Für Aufgaben aus anderen Quellen gilt das erst recht.
- Die Bedingungen: Die reine Testzeit beträgt laut den Universitäten vier bis fünf Stunden, der Testtag dauert länger. Wer einzelne Testteile ausgeruht übt, misst etwas anderes als einen Tag in der Messehalle.
- Die Wertung: Am Testtag zählt nur der Antwortbogen. Mehrere Kreuze bei einer Aufgabe zählen als falsch, bei Emotionen erkennen und regulieren gibt es nur ganz oder gar nicht. Soziales Entscheiden wird nach der Übereinstimmung Deiner Rangfolge mit einer theoretisch abgeleiteten Lösung gewertet; das lässt sich zu Hause kaum genau nachrechnen. Im MedAT-Rechner gibst Du diesen Teil deshalb als geschätzten Prozentwert ein.
Wie stark schwankt die Grenze von Jahr zu Jahr?
Stark. Bildet man je Jahr den Mittelwert der vier Humanmedizin-Grenzen, reicht dieses Jahresniveau von 66,6 bis 75,6 Prozent, ein Unterschied von 9,0 Prozentpunkten:
| Testjahr | Mittel der vier Grenzen | 72 % hätten gereicht in |
|---|---|---|
| 2021 | 75,61 % | keinem Standort |
| 2022 | 70,19 % | Graz, Innsbruck, Linz |
| 2023 | 73,24 % | Innsbruck, Linz |
| 2024 | 66,61 % | Wien, Graz, Innsbruck, Linz |
| 2025 | 73,31 % | Innsbruck, Linz |
Die Universitäten schreiben selbst, die Aufgabenschwierigkeit habe sich über die Jahre „empirisch belegbar“ nicht grundlegend verändert; gesunken sei vor allem die Erfolgswahrscheinlichkeit, weil die Bewerberzahl stärker wuchs als die Zahl der Plätze. Die amtlichen Grenzen zeigen trotzdem deutliche Ausschläge, etwa 66,6 Prozent im Mittel 2024 gegenüber 73,2 Prozent 2023, an allen vier Standorten gleichzeitig. Beides steht so in den Quellen; wir rechnen es nicht gegeneinander auf. Für Dich zählt: Den Testbogen Deines Jahres kennst Du erst am Testtag.
Was Dein Übungswert im Vergleich zu den Grenzen bedeutet
Mit allen Vorbehalten lassen sich drei Bereiche unterscheiden (berechnet aus den Endständen 2021 bis 2025, Humanmedizin):
- Unter 63,20 Prozent: Dieser Wert hätte in keinem Jahr an keinem Standort gereicht. Hier hilft kein günstiges Jahr, nur deutlich mehr Punkte.
- Zwischen 63,20 und 79,14 Prozent: Es hängt am Jahr und am Standort. Hier entscheidet der Abstand zwischen den Standorten mit, der viel stabiler ist als die Grenzen selbst: Wien lag im Schnitt 8,0 Prozentpunkte über Linz. Wie das für Deinen Wert aussieht, zeigt der MedAT-Rechner Jahr für Jahr.
- Über 79,14 Prozent: Dieser Wert hätte 2021 bis 2025 überall gereicht. Ein Übungswert in dieser Höhe ist ein gutes Zeichen, aber keine Garantie, weil Übung und Testtag verschieden schwer sein können.
Die Universitäten raten ausdrücklich davon ab, auf einen bestimmten Wert hinzulernen: Der Cut-off sei vorab nicht bekannt, an jedem Standort brauche es Spitzenleistungen. Die Bereiche oben sind deshalb eine Lesehilfe, kein Ziel.
Wie Du Übungsergebnisse sinnvoll nutzt
Ein einzelner Gesamtwert ist das schwächste Signal, das eine Übung liefert. Mehr bringen die Teilwerte, denn die Testteile zählen sehr unterschiedlich. So viel ist eine richtige Antwort im MedAT-H wert:
| Testteil | Aufgaben | Gewicht | Prozentpunkte je richtiger Antwort |
|---|---|---|---|
| Basiskenntnistest (BMS) | 94 | 40 % | 0,43 |
| Textverständnis (TV) | 12 | 10 % | 0,83 |
| Kognitive Fähigkeiten (KFF) | 75 | 40 % | 0,53 |
| Emotionen erkennen (SEK) | 14 | 3,3 % | 0,24 |
| Emotionen regulieren (SEK) | 12 | 3,3 % | 0,28 |
Eine richtige Antwort im Textverständnis bringt also fast doppelt so viel wie eine im Basiskenntnistest (0,83 gegenüber 0,43 Prozentpunkten). Das heißt nicht, dass Du den BMS vernachlässigen solltest; er stellt mit 94 Aufgaben und 40 Prozent Gewicht den größten Block. Es heißt aber: Wer in Übungen im Textverständnis regelmäßig Punkte liegen lässt, verschenkt viel Gesamtwert auf wenig Aufgaben. Die Rechnung für alle Teile steht unter MedAT-Auswertung.
Drei Gewohnheiten machen Übungswerte aussagekräftiger:
- Vergleiche Dich mit Dir. Mehrere Durchgänge mit Aufgaben aus derselben Quelle zeigen einen Trend. Ein Wert aus einer neuen Quelle ist kein Rückschritt, wenn die Aufgaben schwerer waren.
- Übe ganze Testteile unter Zeitdruck. Erst dann merkst Du, wo Dir am Ende die Zeit fehlt. Die offiziellen Zeitvorgaben je Testteil stehen unter MedAT-Aufbau.
- Trag Deine Antworten wie am Testtag ein. Die Universitäten stellen im VMC Hinweise zum Ausfüllen des Antwortbogens bereit. Fehler beim Markieren kosten am Testtag Punkte, die mit Wissen nichts zu tun haben. Mehr dazu unter Antwortbogen und Regeln.
Ob Du mit einem Kurs oder selbst organisiert übst, macht laut der Begleitforschung der Testentwickler kaum einen Unterschied; es kam vor allem darauf an, wie viel Zeit und Mühe jemand investierte. Was die Universitäten kostenlos bereitstellen, steht unter MedAT-Vorbereitung.
Häufige Fragen
Wie aussagekräftig ist ein Ergebnis aus einer MedAT-Simulation?
Begrenzt. Der MedAT wird nicht normiert, deshalb hängt jeder Prozentwert an der Schwierigkeit der Aufgaben. Schon beim echten Test schwankte das Niveau der Grenzen zwischen 66,6 und 75,6 Prozent je Jahr. Eine Simulation mit anderen Aufgaben kann davon noch einmal abweichen.
Wie viel Prozent sollte ich in der MedAT-Simulation erreichen?
Eine sichere Zahl gibt es nicht. Zur Orientierung: Im echten Test reichten 2021 bis 2025 für Humanmedizin je nach Standort und Jahr 63,20 bis 79,14 Prozent. Liegst Du in Übungen stabil über dem oberen Wert, bist Du auf einem guten Weg, sofern die Übung ähnlich schwer war wie der echte Test.
Sind die Übungstests im VMC so schwer wie der echte MedAT?
Das ist nicht veröffentlicht. Die Universitäten stellen im Virtuellen Medizinischen Campus Beispielaufgaben, Stichwortlisten und Online-Übungstests bereit, sagen aber nicht, wie gut diese die Schwierigkeit des Testtags abbilden.
Lohnt es sich, auf eine bestimmte Prozentzahl hinzulernen?
Nein, sagen die Universitäten: Der Cut-off-Wert sei vorab nicht bekannt, an jedem Standort seien Spitzenleistungen nötig. Sinnvoller ist es, die Testteile mit dem größten Hebel gezielt zu verbessern.
Quellen
Alle Angaben geprüft am 21.10.2026. Medienberichte sind als solche gekennzeichnet.
- Verordnung über die Testinhalte und die Testauswertung MedAT 2026 – Medizinische Universität Wien, Mitteilungsblatt 2025/26, 11. Stück, Nr. 16, 09.12.2025; abgerufen am 18.10.2026
- 87. Verordnung über die Festlegung der Testinhalte und der Testauswertung der Aufnahmetests Humanmedizin und Zahnmedizin ab dem Studienjahr 2024/2025 – Medizinische Universität Innsbruck, Mitteilungsblatt 2023/24, 30. Stück, 07.02.2024; abgerufen am 19.10.2026
- Verordnungen über die Zulassung (RN 61) und die Testinhalte (RN 62) für Human- und Zahnmedizin 2026/27 – Medizinische Universität Graz, Mitteilungsblatt 2025/26, 14. Stück, 17.12.2025; abgerufen am 18.10.2026
- Verordnung über Inhalt und Auswertung des Aufnahmetests MedAT-H für das Studienjahr 2026/27 – Johannes Kepler Universität Linz, Mitteilungsblatt 2026, 4. Stück, Pkt. 38, 28.01.2026; abgerufen am 19.10.2026
- Stellungnahme der Medizinischen Universität Wien (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Wien, 02.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Medizinischen Universität Innsbruck (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Innsbruck, 02.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Medizinischen Universität Graz (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Graz, 01.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Johannes Kepler Universität Linz (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Johannes Kepler Universität Linz; abgerufen am 18.10.2026
- MedAT-Mythen – medizinstudieren.at; abgerufen am 20.10.2026
- Tipps und Tricks zur Testvorbereitung (mit FAQ zu Minuspunkten und Notizregeln) – medizinstudieren.at; abgerufen am 20.10.2026
- Vorbereitungsunterlagen – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
- „Zusammensetzung und Dauer der Testteile – MedAT-H 2026“ (offizielle Unterlage im Virtuellen Medizinischen Campus, nach kostenloser Registrierung) – Medizinische Universität Graz, Virtueller Medizinischer Campus (VMC); abgerufen am 19.10.2026
- „Bearbeiten des Antwortbogens“ und „Bearbeiten von MC-Fragen“ (offizielle Unterlagen MedAT 2026 im Virtuellen Medizinischen Campus, nach kostenloser Registrierung) – Medizinische Universität Graz, Virtueller Medizinischer Campus (VMC); abgerufen am 19.10.2026
- Informationsbroschüren und Ausfüllvorschriften zu den KFF- und SEK-Aufgabengruppen (offizielle Unterlagen MedAT 2026 im Virtuellen Medizinischen Campus) – Medizinische Universität Graz, Virtueller Medizinischer Campus (VMC); abgerufen am 19.10.2026
- Fairness als zentrale Herausforderung moderner Aufnahmeverfahren (Arendasy u. a.), Zeitschrift für Hochschulentwicklung 13(4), S. 37–55 – Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZfHE), 01.12.2018; abgerufen am 20.10.2026