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MedAT in Wien oder Innsbruck? Der direkte Vergleich

Von der Redaktion · Stand: 21.10.2026

Straßenbahn in Wien und Berge bei Innsbruck

MedAT in Wien oder Innsbruck? Der größte Unterschied ist die Grenze: In Wien brauchtest Du 2021 bis 2025 im Schnitt 6,9 Prozentpunkte mehr Gesamtwert für einen Humanmedizin-Platz als in Innsbruck, und zwar in jedem einzelnen Jahr. Dafür hat Wien mit 704 Plätzen fast doppelt so viele wie Innsbruck mit 390.

Wer vor allem einen Studienplatz will, hat in Innsbruck die besseren Karten. Wer unbedingt nach Wien möchte, muss dafür spürbar mehr leisten. Der Rest dieses Vergleichs sortiert, was sonst noch zählt.

Wie groß ist der Abstand bei der MedAT-Grenze?

Die Universitäten haben in ihren Stellungnahmen zur Anfragebeantwortung 5452/AB für jedes Jahr das schwächste Ergebnis genannt, das noch einen Platz bekam, und zwar nach dem Nachrücken. So sehen die beiden Reihen nebeneinander aus:

TestjahrWienInnsbruckAbstand
202179,14 %73,49 %5,7 Pp.
202274,89 %67,44 %7,5 Pp.
202378,29 %71,35 %6,9 Pp.
202471,52 %64,90 %6,6 Pp.
202578,77 %71,06 %7,7 Pp.
Mittel76,5 %69,6 %6,9 Pp.
Humanmedizin, niedrigster erfolgreicher Gesamtwert (Endstand) laut den Stellungnahmen der MedUni Wien und der MedUni Innsbruck zu 5452/AB. Abstand und Mittel: berechnet.
Wien Humanmedizin · Spanne 71,52–79,14 %
606570758079,1202174,9202278,3202371,5202478,82025Dein Wert
Innsbruck Humanmedizin · Spanne 64,90–73,49 %
606570758073,5202167,4202271,4202364,9202471,12025Dein Wert

Der Abstand schwankte zwischen 5,7 Prozentpunkten (2021) und 7,7 Prozentpunkten (2025). Das ist bemerkenswert stabil, wenn man bedenkt, wie stark die Grenzen selbst von Jahr zu Jahr springen. Gemessen am Mittel aller vier Standorte lag Wien 4,7 Prozentpunkte darüber und Innsbruck 2,1 darunter.

Was heißt das in Aufgaben? Eine richtige Antwort im Basiskenntnistest ist im MedAT-H rund 0,43 Prozentpunkte Gesamtwert wert. Die 6,9 Prozentpunkte zwischen Wien und Innsbruck entsprechen damit etwa 16 zusätzlichen richtigen Antworten in diesem Testteil (berechnet). Ob Dein Ergebnis an beiden Standorten gereicht hätte, zeigt der MedAT-Rechner.

Wien oder Innsbruck: die Zahlen im Überblick

WienInnsbruck
Plätze Humanmedizin 2026/27704390
Plätze Zahnmedizin 2026/278040
Anmeldungen Humanmedizin 20267.214 (10,2 je Platz)3.124 (8,0 je Platz)
Anmeldungen Zahnmedizin 20261.021 (12,8 je Platz)408 (10,2 je Platz)
Angetreten 2026 (HM + ZM)6.5732.630
Grenze Humanmedizin 2021–202571,5–79,1 %64,9–73,5 %
Deutsche Anfänger WS 2025105 (12,3 %)117 (23,9 %)
Gleichstand am letzten Platzalle Gleichplatzierten erhalten einen PlatzLos
Ergebnisab Beginn KW 32ab Ende KW 32
Gewidmete Plätzebis zu 35bis zu 19
Miete (Bestand, Bundesland)10,6 €/m²12,0 €/m² (Tirol)
Nahverkehr für Studenten300 € im Jahr (unter 26; digital 294 €)176,70 € im Semester (Studenten unter 27)
Quellen: medizinstudieren.at (Plätze), gemeinsame Presseaussendungen 2026, 5452/AB (Grenzen, Anfänger), Zulassungsverordnungen 2026/27, Statistik Austria „Wohnen 2025“, Tarife der Verkehrsbetriebe. Werte je Platz: berechnet.

Wo gibt es mehr Bewerber pro Platz?

In Wien. Auf einen Humanmedizin-Platz kamen 2026 dort 10,2 Anmeldungen, in Innsbruck 8,0. Bei den Antretenden, die nur für Human- und Zahnmedizin zusammen veröffentlicht werden, waren es 8,4 gegenüber 6,1 je Platz.

Die Quote allein erklärt den Abstand der Grenzen aber nicht. Es kommt darauf an, wie stark die anderen abschneiden, und darüber sagt die Zahl der Köpfe wenig. Mehr dazu und die Zahlen aller Jahre stehen unter MedAT-Bewerberzahlen.

Warum gehen so viele Deutsche nach Innsbruck?

Innsbruck hat seit Jahren den höchsten Anteil deutscher Studienanfänger aller vier Standorte: zwischen 23,9 und 28,2 Prozent in den Wintersemestern 2021 bis 2025. In Wien waren es 12,3 bis 17,2 Prozent. Gezählt sind Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, gemessen an allen begonnenen Humanmedizin-Studien.

Bei den Bewerbungen ist der Unterschied noch deutlicher. Laut science.ORF.at kamen 2025 von 2.917 Anmeldungen für Humanmedizin in Innsbruck 1.230 aus Deutschland. Für Wien berichtete derselbe Artikel, der Anteil der Bewerbungen aus dem EU-Raum, vor allem aus Deutschland, sei von früher 20 auf 15 Prozent gesunken. Beides sind Medienangaben, keine Veröffentlichungen der Universitäten. Warum Deutsche Innsbruck bevorzugen, erhebt niemand. Die Nähe zu Süddeutschland und die niedrigere Grenze liegen nahe, sind aber eine Vermutung.

Für Deine Chancen spielt das keine Rolle: An beiden Standorten stehen alle auf einer gemeinsamen Rangliste, die Quote für Österreicher greift in der Praxis kaum. Die Zahlen aller Standorte stehen unter Deutsche an Österreichs Med-Unis.

Gleichstand, Ergebnis, Nachrücken: die Regeln im Vergleich

Beide Universitäten werten den MedAT-H nach derselben Formel aus. Unterschiede gibt es bei den Details der Vergabe:

  • Gleichstand: Haben am letzten Platz mehrere Personen denselben Gesamtwert, bekommen in Wien alle einen Platz (§ 10 Abs. 7 der Zulassungsverordnung). In Innsbruck entscheidet das Los (§ 14 Abs. 5).
  • Ergebnis: Wien veröffentlicht ab Beginn der Kalenderwoche 32, Innsbruck laut Verordnung ab deren Ende.
  • Platzzahl: Innsbruck darf die 390 Humanmedizin-Plätze wegen Nichtannahmen oder Abbrüchen auf bis zu 400 erhöhen.
  • Nachrücken: Innsbruck hat mit jedem Grenzwert auch den Rang genannt. Bei 360 bis 380 Plätzen bekam 2021 bis 2025 noch Rang 454 bis 507 einen Platz. Wien hat keine Ränge genannt.

Wie die Vergabe nach der Ergebnisbekanntgabe weiterläuft, erklärt die Seite Nachrücken beim MedAT.

Und in der Zahnmedizin?

Hier dreht sich das Bild. Wien hat 80 Plätze, Innsbruck 40, und in Wien kamen 2026 mehr Anmeldungen auf einen Platz (12,8 gegenüber 10,2). Grenzwerte für Zahnmedizin haben weder Wien noch Innsbruck veröffentlicht; amtliche Werte gibt es nur aus Graz. Ein Vergleich der Grenzen ist deshalb nicht möglich. Mehr unter MedAT-Z.

Studium und Leben: was sich unterscheidet

Humanmedizin ist an beiden Universitäten ein Diplomstudium über zwölf Semester mit dem Abschluss Dr. med. univ. und einem Klinisch-Praktischen Jahr von 48 Wochen. In Innsbruck gliedert es sich in drei Abschnitte mit zwei, vier und sechs Semestern; in Wien umfasst der erste Abschnitt ebenfalls zwei Semester. Famulaturen dauern an beiden Standorten 18 Wochen. Die Unterschiede im Detail stehen unter Aufbau des Medizinstudiums.

Beim Latein gibt Wien Dir mehr Zeit: Fehlen Dir zehn Wochenstunden aus der Schule, holst Du die Prüfung bis Ende des dritten Semesters nach. In Innsbruck musst Du sie vor dem vollständigen Abschluss der ersten Diplomprüfung ablegen, also im ersten Studienabschnitt. Innsbruck empfiehlt bei deutschen Zeugnissen eine Bestätigung der Schule über die Lateinstunden. Details unter Latein im Medizinstudium.

Beim Studienbeitrag gelten an beiden Universitäten dieselben gesetzlichen Regeln, den ÖH-Beitrag von 26,20 Euro im Semester zahlst Du überall. Teurer ist in Innsbruck das Wohnen: Die durchschnittliche Bestandswohnung kostet in Tirol 778 Euro im Monat, in Wien 694 Euro. Beim Nahverkehr liegen beide nah beieinander, aufs Jahr gerechnet 353,40 Euro in Innsbruck und 300 Euro in Wien (berechnet). Alle Posten stehen unter Kosten des Medizinstudiums.

Welcher Standort passt zu Dir?

Die Daten geben eine klare Richtung: Bei gleicher Leistung ist Innsbruck der leichtere Standort, und das seit fünf Jahren verlässlich. Wenn Dir der Studienplatz wichtiger ist als die Stadt, spricht fast alles für Innsbruck. Wien lohnt sich, wenn Du dort leben willst und Dir zutraust, auch in einem schwachen Jahr über der Wiener Grenze zu landen.

Die Wahl triffst Du bei der Anmeldung im März, und sie gilt für dieses eine Jahr. Wer den MedAT wiederholt, kann den Standort wechseln; wie viel das bringt, zeigt MedAT wiederholen. Die beiden Standortporträts findest Du unter Medizin in Wien und Medizin in Innsbruck.

Häufige Fragen

Ist der MedAT in Innsbruck leichter als in Wien?

Der Test ist derselbe, aber die Grenze ist eine andere. 2021 bis 2025 lag sie in Wien im Schnitt 6,9 Prozentpunkte über Innsbruck, und zwar in jedem einzelnen Jahr. Mit demselben Ergebnis hast Du in Innsbruck also deutlich bessere Chancen.

Kann ich mich für Wien und Innsbruck gleichzeitig anmelden?

Anmelden ja, antreten nein. Eine Mehrfachanmeldung ist laut den Universitäten nicht verboten, aber alle Standorte testen am selben Tag zur selben Zeit. Du nimmst also nur an einem Standort teil, und ein zweiter Kostenbeitrag wird nicht erstattet.

Wo studieren mehr Deutsche, in Wien oder Innsbruck?

Absolut ähnlich viele, anteilig deutlich mehr in Innsbruck. Im Wintersemester 2025 begannen in Wien 105 und in Innsbruck 117 Personen mit deutschem Pass Humanmedizin. Das waren in Wien 12,3 Prozent aller Anfänger, in Innsbruck 23,9 Prozent.

Ist das Leben in Innsbruck teurer als in Wien?

Beim Wohnen ja. Die Bestandsmieten liegen laut Statistik Austria in Tirol bei 12,0 Euro pro Quadratmeter, in Wien bei 10,6 Euro. Studienbeitrag und ÖH-Beitrag sind an beiden Universitäten gleich.

Quellen

Alle Angaben geprüft am 21.10.2026. Medienberichte sind als solche gekennzeichnet.

  1. Stellungnahme der Medizinischen Universität Wien (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Wien, 02.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  2. Stellungnahme der Medizinischen Universität Innsbruck (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Innsbruck, 02.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  3. Stellungnahme der Medizinischen Universität Graz (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Graz, 01.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  4. Stellungnahme der Johannes Kepler Universität Linz (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Johannes Kepler Universität Linz; abgerufen am 18.10.2026
  5. Anfragebeantwortung 5452/AB XXVIII. GP, Hauptdokument (12 Seiten) – BMFWF, 07.07.2026; abgerufen am 18.10.2026
  6. Studienplätze 2026/27 – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
  7. MedAT: Aufnahmeverfahren zum Medizinstudium – 16.880 Anmeldungen (gemeinsame Aussendung) – Medizinische Universität Wien, 16.04.2026; abgerufen am 18.10.2026
  8. Aufnahmeverfahren zum Medizinstudium: 13.248 nahmen teil (gemeinsame Aussendung) – Medizinische Universität Wien, 03.07.2026; abgerufen am 18.10.2026
  9. Verordnung über die Zulassungsbeschränkung zu den Diplomstudien Human- und Zahnmedizin für das Studienjahr 2026/2027 – Medizinische Universität Wien, Mitteilungsblatt 2025/26, 10. Stück, Nr. 15, 09.12.2025; abgerufen am 18.10.2026
  10. Verordnung über die Zulassungsbeschränkung zum Diplomstudium Humanmedizin für das Studienjahr 2026/2027 – Medizinische Universität Innsbruck, Mitteilungsblatt 2025/26, 20. Stück, 21.01.2026; abgerufen am 18.10.2026
  11. Verordnung über die Testinhalte und die Testauswertung MedAT 2026 – Medizinische Universität Wien, Mitteilungsblatt 2025/26, 11. Stück, Nr. 16, 09.12.2025; abgerufen am 18.10.2026
  12. FAQ – häufig gestellte Fragen – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
  13. Gewidmete Studienplätze – medizinstudieren.at; abgerufen am 19.10.2026
  14. Diplomstudium Humanmedizin – Medizinische Universität Wien; abgerufen am 18.10.2026
  15. Studienplan Diplomstudium Humanmedizin – Medizinische Universität Innsbruck (Mitteilungsblatt 23.06.2026, 45. Stück), 23.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  16. Zusatzprüfung Latein – Medizinische Universität Wien; abgerufen am 19.10.2026
  17. Zusatzprüfung Latein – Medizinische Universität Innsbruck; abgerufen am 19.10.2026
  18. ÖH-Beitrag – Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH); abgerufen am 18.10.2026
  19. Universitätsgesetz 2002, § 91 (Studienbeitrag) – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), 01.07.2025; abgerufen am 19.10.2026
  20. Wohnen 2025 (STATreport), Übersichten 3.5 und 3.7 – Statistik Austria, 10.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  21. Factsheet „Neue Tarifstruktur“ (gültig ab 01.01.2026) – Wiener Linien GmbH & Co KG, 01.01.2026; abgerufen am 18.10.2026
  22. Tickets für Schule, Lehre und Studium – Verkehrsverbund Tirol; abgerufen am 18.10.2026
  23. Medizinstudium: 12.400 Bewerbungen für 1.900 Plätze – science.ORF.at (APA), 04.07.2025; abgerufen am 18.10.2026 (Medienbericht)