Medizinstudium in Österreich als Deutscher: Quote, Chancen, Ablauf
Von der Redaktion · fachlich geprüft von Hendrik Loll · Stand: 19.10.2026
Als Deutscher bekommst Du einen Medizinstudienplatz in Österreich über den MedAT, mit derselben Punktgrenze wie alle anderen. Im Wintersemester 2025 begannen 315 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ein Humanmedizinstudium an den vier öffentlichen Standorten, das waren 14,5 Prozent aller Anfänger. Die Abiturnote spielt dabei keine Rolle.
Gilt für Deutsche eine strengere MedAT-Grenze?
Nein. Mit deutschem Abitur bist Du im EU-Kontingent, aber alle Bewerber eines Standorts landen auf einer gemeinsamen Rangliste. Die gesetzliche Quote greift nur, wenn sonst weniger als 75 Prozent der Plätze an Inhaber österreichischer Reifezeugnisse gingen. Das kam laut den Universitäten nur vereinzelt vor. In den Jahren 2021 bis 2025 lag der schlechteste erfolgreiche Wert eines EU-Bürgers fast immer nur wenige Hundertstel über dem eines Österreichers.
Die ausführliche Erklärung mit Gesetzestext steht auf der Seite zur EU-Quote in der Medizin. Wo die Grenzen konkret lagen, zeigen die MedAT-Grenzwerte 2021–2025.
Wie viele Deutsche studieren Medizin in Österreich?
Das Wissenschaftsministerium hat die Zahlen in der Anfragebeantwortung 5452/AB aufgeschlüsselt. Gezählt werden begonnene Humanmedizinstudien von Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Der Anteil bezieht sich auf alle begonnenen Studien, und die liegen wegen bewusster Überbuchung über der Zahl der Studienplätze.
| Wintersemester | Wien | Graz | Innsbruck | Linz | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | 105 (12,3 %) | 59 (9,8 %) | 117 (23,9 %) | 34 (15,0 %) | 315 (14,5 %) |
| 2024 | 111 (13,2 %) | 78 (13,5 %) | 129 (27,6 %) | 45 (19,7 %) | 363 (17,1 %) |
| 2023 | 104 (13,0 %) | 80 (14,6 %) | 135 (28,2 %) | 50 (23,1 %) | 369 (18,1 %) |
| 2022 | 136 (17,2 %) | 89 (16,5 %) | 132 (27,8 %) | 50 (23,2 %) | 407 (20,1 %) |
| 2021 | 92 (13,7 %) | 85 (17,3 %) | 131 (27,7 %) | 41 (24,4 %) | 349 (19,3 %) |
Zwei Dinge fallen auf. Innsbruck ist mit Abstand der Standort mit dem höchsten Anteil, 2023 kam dort mehr als jeder vierte Anfänger aus Deutschland. Und der Anteil sinkt insgesamt: von 20,1 Prozent im Jahr 2022 auf 14,5 Prozent im Jahr 2025. Gründe nennt das Ministerium nicht. Beachte auch, dass „Deutsche“ hier die Staatsangehörigkeit meint. Wer mit deutschem Pass in Österreich maturiert hat, steckt in diesen Zahlen, wer mit österreichischem Pass in Deutschland Abitur gemacht hat, nicht.
So läuft die Bewerbung ab
- Anmeldung im März: Du registrierst Dich auf medizinstudieren.at, wählst Standort und Studium und zahlst den Kostenbeitrag von 110 Euro (Stand 2026). Standort und Studium sind danach nicht mehr änderbar. Die Termine für 2027 stehen auf der Seite MedAT-Termine 2027.
- Vorbereitung: Die Universitäten stellen im Virtuellen Medizinischen Campus der MedUni Graz kostenlose Unterlagen bereit, darunter Stichwortlisten für den Basiskenntnistest und Beispielaufgaben.
- Testtag im Juli: Der MedAT findet an allen Standorten am selben Tag statt, nur auf Deutsch und nur in Präsenz. Deshalb kannst Du praktisch nur an einem Standort teilnehmen.
- Ergebnis im August: In Kalenderwoche 32 erscheint das Ergebnis im MedAT-Account. Wer einen Platz bekommt, muss ihn fristgerecht annehmen; danach rücken Wartende nach.
- Zulassung: Bis zum Ende der Zulassungsfrist im Spätsommer weist Du Dein Abitur nach. Das Studium beginnt grundsätzlich im Wintersemester.
Reicht das deutsche Abitur?
Ja. Das Universitätsgesetz lässt ausländische Reifezeugnisse zu, wenn kein wesentlicher Unterschied zur österreichischen Matura besteht, und das deutsche Abitur erfüllt das. Die frühere Bedingung, im Ausstellungsstaat ebenfalls einen Studienplatz nachweisen zu müssen, steht nicht mehr im Gesetz. Der deutsche Numerus clausus spielt für Österreich keine Rolle.
Latein
Für den MedAT brauchst Du weder Abiturzeugnis noch Latein. Für das Studium verlangt die österreichische Universitätsberechtigungsverordnung Latein im Umfang von mindestens zehn Wochenstunden an einer höheren Schule. Fehlt das, legst Du eine Ergänzungsprüfung ab:
- Wien: laut Universität bis Ende des dritten Semesters; ohne positives Ergebnis bis Ende des vierten Semesters keine Anmeldung zum Kleingruppenunterricht im fünften.
- Innsbruck: spätestens vor Abschluss der ersten Diplomprüfung. Die Universität rät Bewerbern mit deutschem Zeugnis, sich die Lateinstunden von der Schule bestätigen zu lassen.
- Graz: Eine Lehrveranstaltung zu Studienbeginn ersetzt das Latinum.
- Linz: vor der Bachelorprüfung; das Latinum kann während des Bachelorstudiums nachgeholt werden.
Was kostet das Studium?
Studiengebühren im deutschen Sinn gibt es an den öffentlichen Universitäten nicht. Als EU-Bürger zahlst Du keinen Studienbeitrag, solange Du die vorgesehene Studienzeit um nicht mehr als zwei Semester überschreitest; in Wien, Graz und Innsbruck gilt das je Studienabschnitt, in Linz für Bachelor und Master. Danach werden 363,36 Euro pro Semester fällig. Pflicht ist der ÖH-Beitrag, im Studienjahr 2026/27 26,20 Euro pro Semester.
Die Lebenshaltungskosten sind der größere Posten. Die Mieten unterscheiden sich spürbar zwischen den Standorten; die amtlichen Durchschnittswerte je Bundesland stehen auf den Standortseiten.
BAföG für ein Studium in Österreich
Ein komplettes Studium in Österreich ist nach § 5 Abs. 2 BAföG förderfähig, und zwar ohne die zeitliche Begrenzung, die sonst für Auslandsaufenthalte gilt. Zuständig ist für Österreich bundesweit das Amt für Ausbildungsförderung der Landeshauptstadt München. Einen monatlichen Auslandszuschlag gibt es für EU-Staaten nicht, wohl aber Zuschläge für Reisekosten (250 Euro je Hin- und Rückreise innerhalb Europas) und für die Krankenversicherung. Den Antrag empfiehlt das Amt mindestens vier Monate vor Studienbeginn.
Krankenversicherung und Anmeldung vor Ort
Wer den Lebensmittelpunkt in Deutschland behält und in Österreich nicht arbeitet, bleibt laut der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung grundsätzlich in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung; das klärst Du vorab mit Deiner Kasse. In Österreich meldest Du Deinen Wohnsitz innerhalb von drei Tagen nach dem Einzug an. Bleibst Du länger als drei Monate, brauchst Du eine Anmeldebescheinigung, die Du spätestens vier Monate nach der Einreise beantragst (in Wien 44 Euro).
Kann ich nach dem Studium in Deutschland als Arzt arbeiten?
Ja. Der österreichische Abschluss „Doktor der gesamten Heilkunde“ (Dr. med. univ.) steht in Anhang V der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie und wird in Deutschland automatisch anerkannt. Ab dem 1. November 2026 steht die Regel in § 9c der Bundesärzteordnung, geändert durch das Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren. Deutschkenntnisse musst Du trotzdem nachweisen. Die Bezirksregierung Münster etwa, in Nordrhein-Westfalen für EU-Abschlüsse zuständig, prüft im Einzelfall, ob Deutsch als Muttersprache oder ein Studium auf Deutsch dafür genügt.
Viele kehren tatsächlich zurück. Das Ministerium zitiert in 5452/AB die Absolventenbefragung EUROGRADUATE 2022: Rund zwei Drittel der Absolventen aus Deutschland gehen kurz nach dem Studium zurück.
Häufige Fragen
Kann ich als Deutscher in Österreich Medizin studieren?
Ja. Du meldest Dich im März online zum MedAT an und trittst im Juli an einem der vier Standorte an. Im Wintersemester 2025 begannen 315 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ein Humanmedizinstudium an einer öffentlichen Universität in Österreich.
Zählt meine Abiturnote beim MedAT?
Nein. Schulnoten spielen für die Vergabe keine Rolle, auch Vorleistungen wie eine Ausbildung oder ein anderes Studium nicht. Es zählt allein der Gesamtwert im MedAT und der Rang, der sich daraus am gewählten Standort ergibt.
Kann ich den MedAT schon vor dem Abitur schreiben?
Ja, wenn Du im Testjahr in der Abschlussklasse bist. Das Abiturzeugnis musst Du erst bis zum Ende der Zulassungsfrist im Spätsommer nachweisen. Wer erst ein Jahr später Abitur macht, darf noch nicht teilnehmen.
Brauche ich das Latinum?
Nicht für den Test und nicht für den Studienbeginn. Wer keine zehn Wochenstunden Latein nachweisen kann, legt im Studium eine Ergänzungsprüfung ab. Die Fristen dafür setzt jede Universität etwas anders.
Wie viel kostet das Medizinstudium in Österreich für Deutsche?
An den öffentlichen Universitäten zahlst Du als EU-Bürger keinen Studienbeitrag, solange Du die vorgesehene Studienzeit um höchstens zwei Semester je Abschnitt überschreitest. Fällig sind der ÖH-Beitrag von 26,20 Euro pro Semester und 110 Euro Kostenbeitrag für den MedAT.
Quellen
Alle Angaben geprüft am 19.10.2026. Medienberichte sind als solche gekennzeichnet.
- Anfragebeantwortung 5452/AB XXVIII. GP, Hauptdokument (12 Seiten) – BMFWF, 07.07.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Medizinischen Universität Wien (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Wien, 02.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Universitätsgesetz 2002, § 71c (Zugang zu Human- und Zahnmedizin, Quote, gewidmete Plätze) – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), 01.11.2025; abgerufen am 18.10.2026
- Kontingentregelung (Österreich-, EU- und Nicht-EU-Kontingent) – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
- Basic-Infos: Der MedAT (Abschnitt „Fristen und Termine“) – medizinstudieren.at (gemeinsame Seite der Medizinischen Universitäten Wien, Innsbruck, Graz und der JKU Linz); abgerufen am 19.10.2026
- FAQ – häufig gestellte Fragen – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
- Informationen zur Zulassung – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
- Universitätsberechtigungsverordnung (UBVO 1998), §§ 4 und 6 (Latein) – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS); abgerufen am 18.10.2026
- Zusatzprüfung Latein – Medizinische Universität Wien; abgerufen am 19.10.2026
- Zusatzprüfung Latein – Medizinische Universität Innsbruck; abgerufen am 19.10.2026
- Aufnahmeverfahren: Häufig gestellte Fragen – Medizinische Universität Graz; abgerufen am 19.10.2026
- Latein-Ergänzungsprüfung – Johannes Kepler Universität Linz; abgerufen am 19.10.2026
- Universitätsgesetz 2002, § 91 (Studienbeitrag) – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), 01.07.2025; abgerufen am 19.10.2026
- ÖH-Beitrag – Österreichische Hochschüler_innenschaft; abgerufen am 18.10.2026
- Bundesausbildungsförderungsgesetz, § 5 (Ausbildung im Ausland) und § 16 Abs. 3 – gesetze-im-internet.de (Bundesministerium der Justiz), 16.04.2026; abgerufen am 18.10.2026
- BAföG-Auslandszuschlagsverordnung – gesetze-im-internet.de (Bundesministerium der Justiz), 15.07.2022; abgerufen am 19.10.2026
- BAföG für Hochschule oder Fachhochschule in Österreich – Landeshauptstadt München, Amt für Ausbildungsförderung; abgerufen am 19.10.2026
- Studierende und Praktikanten im Ausland – Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA); abgerufen am 18.10.2026
- Melden (Wohnsitzanmeldung) – oesterreich.gv.at, 26.03.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Anmeldebescheinigung für EWR-Bürger und Schweizer – Stadt Wien (MA 35); abgerufen am 18.10.2026
- Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, Anhang V Nr. 5.1.1 (konsolidierte Fassung 29.10.2025) – EUR-Lex, 29.10.2025; abgerufen am 18.10.2026
- Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen, BGBl. 2026 I Nr. 225 – Bundesgesetzblatt (recht.bund.de), 28.07.2026; abgerufen am 19.10.2026
- Merkblatt Approbation als Ärztin/Arzt mit Ausbildungsnachweis aus einem EU-Mitgliedstaat (Stand Juni 2026) – Bezirksregierung Münster; abgerufen am 18.10.2026
- 2. März 2026: Start zur Internet-Anmeldung für die Aufnahmeverfahren Human- und Zahnmedizin (gemeinsame Aussendung der vier Standorte) – Medizinische Universität Wien, 24.02.2026; abgerufen am 18.10.2026