Zum Inhalt springen
medizinstudium-oesterreich.de

So ist das Medizinstudium in Österreich aufgebaut

Von der Redaktion · fachlich geprüft von Hendrik Loll · Stand: 19.10.2026

Das Medizinstudium in Österreich ist an allen vier öffentlichen Standorten auf zwölf Semester angelegt und endet mit dem Dr. med. univ. Beim Aufbau gibt es einen klaren Unterschied: Wien, Graz und Innsbruck bieten ein Diplomstudium an, Linz ein Bachelor- und ein Masterstudium. Das letzte Jahr ist überall ein Klinisch-Praktisches Jahr mit 48 Wochen.

Für Dich als Bewerber hat das praktische Folgen: Die Gliederung entscheidet, wann Latein fällig ist, wie lange Du ohne Studienbeitrag studierst und wo Du die ersten Semester verbringst.

Wie ist das Medizinstudium in Österreich aufgebaut?

Die Kurzfassung je Standort, wie sie die Universitäten in Curriculum und Studienseite beschreiben:

StandortAufbau laut Universität
WienDiplomstudium Humanmedizin, 12 Semester, Abschluss Dr. med. univ.; Klinisch-Praktisches Jahr 48 Wochen
GrazDiplomstudium Humanmedizin, 12 Semester in drei Abschnitten (4 + 6 + 2 Semester), Abschluss Dr. med. univ.; Klinisch-Praktisches Jahr 48 Wochen
InnsbruckDiplomstudium Humanmedizin, 12 Semester in drei Abschnitten (2 + 4 + 6 Semester), Abschluss Dr. med. univ.; Klinisch-Praktisches Jahr 48 Wochen
LinzBachelorstudium Humanmedizin (gemeinsam mit der MedUni Graz, 6 Semester; Semester 1–4 in Linz oder Graz, 5–6 in Linz), danach Masterstudium in Linz (6 Semester, Abschluss Dr. med. univ.; Klinisch-Praktisches Jahr 48 Wochen)
Curricula und Studienseiten der Universitäten, abgerufen 18.10.2026.

Diplomstudium oder Bachelor und Master: Was ist anders?

Im Diplomstudium bist Du von Anfang an für das ganze Medizinstudium zugelassen. Es ist in Studienabschnitte gegliedert, die jeweils mit einer Diplomprüfung enden; am Ende steht direkt der Dr. med. univ. Die Abschnitte sind unterschiedlich geschnitten:

  • Innsbruck: 2 + 4 + 6 Semester. Der erste Abschnitt vermittelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen. Am Ende des vierten Semesters bestätigt eine praktische Prüfung die Famulaturreife. Der dritte Abschnitt findet überwiegend am Krankenbett statt.
  • Graz: 4 + 6 + 2 Semester. Gelehrt wird in fächerübergreifenden Modulen mit wechselnder Wochenlänge, daneben laufen über das Semester sogenannte Tracks mit Anwesenheitspflicht. Im zweiten Abschnitt kommen 24 ECTS Wahlpflichtlehre dazu, der dritte Abschnitt ist das Klinisch-Praktische Jahr.
  • Wien: Diplomstudium mit 12 Semestern; der erste Studienabschnitt umfasst laut Universität zwei Semester.

Linz geht einen anderen Weg. Das Bachelorstudium Humanmedizin bietet die JKU gemeinsam mit der MedUni Graz an: Die ersten vier Semester verbringst Du in Linz oder in Graz, das fünfte und sechste in Linz. Der Bachelor of Science berechtigt laut JKU ohne weitere Bedingungen zum Masterstudium in Linz, das wieder sechs Semester dauert und mit dem Dr. med. univ. endet. Wer in Linz anfängt, studiert also nicht zwangsläufig die ersten zwei Jahre in Linz; das solltest Du bei der Wohnungssuche wissen.

Was passiert im Klinisch-Praktischen Jahr?

Das KPJ ist das österreichische Gegenstück zum Praktischen Jahr in Deutschland: 48 Wochen klinische Arbeit im letzten Studienjahr, an allen vier Standorten gleich lang. Die Unis organisieren es unterschiedlich.

In Graz besteht das KPJ aus drei Tertialen zu je 16 Wochen: Chirurgie und perioperative Fächer, dann Innere Medizin und Neurologie, schließlich je vier Wochen Pflichtblock Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendheilkunde und Psychiatrie sowie vier Wochen Wahlpflichtfach. Im ersten und zweiten Tertial darfst Du einmal nach acht Wochen wechseln. In Innsbruck beginnt das KPJ grundsätzlich am ersten Montag im August und sieht im Schnitt 40 Wochenstunden klinisch-praktischer Tätigkeit vor.

Für eine spätere Approbation in Deutschland spielt der Vergleich mit dem deutschen PJ keine Rolle. Die Bundesärzteordnung verlangt zwar acht bis zwölf Monate praktische Ausbildung, der österreichische Abschluss wird aber automatisch anerkannt, ohne dass jemand die Inhalte einzeln prüft. Details stehen unter Approbation in Deutschland mit österreichischem Abschluss.

Famulaturen: Wie viele Wochen Pflichtpraktikum?

Famulaturen sind Pflichtpraktika in Kliniken oder Praxen, die Du neben dem Unterricht ableistest. Der Umfang unterscheidet sich:

  • Wien: 18 Wochen Famulaturen laut Studienseite.
  • Innsbruck: 18 Wochen Pflichtfamulatur. Wählst Du eine verkürzte Pflichtfamulatur von 12 Wochen, ersetzt Du den Rest durch bis zu sechs Semesterwochenstunden freie Wahlfächer. Zehn Wochen sind frei wählbar, in einem Pflichtfach werden höchstens vier Wochen angerechnet.
  • Graz: Voraussetzung ist die Lehrveranstaltung „Famulaturlizenz“. Mindestens sechs Wochen der Pflichtfamulatur müssen auf Stationen mit Betten stattfinden. Zusätzliche, freiwillige Famulaturen bringen 1,5 ECTS pro Woche als freies Wahlfach.
  • Linz: acht Wochen Pflichtfamulatur im Masterstudium.

Diplomarbeit und Latein

In Graz und Innsbruck gehört eine Diplomarbeit zum Abschluss. Innsbruck empfiehlt, sie vorzugsweise auf Englisch zu schreiben; Graz rät, sie im zweiten Abschnitt abzuschließen, spätestens im dritten muss sie fertig sein. Außerdem musst Du ohne ausreichend Latein in der Schule eine Ergänzungsprüfung ablegen, in Innsbruck etwa vor dem vollständigen Abschluss der ersten Diplomprüfung. Was das mit deutschem Abitur heißt, steht unter Latein im Medizinstudium.

Wie ist Zahnmedizin aufgebaut?

Zahnmedizin bieten Wien, Graz und Innsbruck an, Linz nicht. Auch hier sind es zwölf Semester als Diplomstudium. Der große Unterschied liegt im Praxisanteil: Alle drei Curricula sehen ein zahnmedizinisch-klinisches Praktikum von 72 Wochen vor, in Wien im dritten Abschnitt an der Universitätszahnklinik und in ausgewählten Lehrpraxen, in Graz mit 102 ECTS. Der Abschluss heißt in Wien und Innsbruck „Doktor der Zahnheilkunde“, in Graz „Doktor der Zahnmedizin“, abgekürzt jeweils Dr. med. dent.

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Medizinstudium in Österreich?

Zwölf Semester, also sechs Jahre, an allen vier öffentlichen Standorten. In Linz teilt sich das in ein Bachelorstudium mit sechs und ein Masterstudium mit sechs Semestern. Nur die Privatuni PMU bietet einen Weg mit zehn Semestern an.

Was ist das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ)?

Das KPJ ist der praktische Abschluss des Studiums im letzten Studienjahr: 48 Wochen Arbeit auf Stationen und in Lehrpraxen. In Graz ist es in drei Tertiale zu je 16 Wochen gegliedert, in Innsbruck beginnt es grundsätzlich am ersten Montag im August.

Welchen Abschluss bekommt man nach dem Medizinstudium in Österreich?

Den akademischen Grad Doktor der gesamten Heilkunde, abgekürzt Dr. med. univ. In Linz gibt es nach dem Bachelor zusätzlich einen Bachelor of Science. Der Dr. med. univ. steht in Anhang V der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie und wird in Deutschland automatisch anerkannt.

Quellen

Alle Angaben geprüft am 19.10.2026. Medienberichte sind als solche gekennzeichnet.

  1. Diplomstudium Humanmedizin – Medizinische Universität Wien; abgerufen am 18.10.2026
  2. Curriculum Diplomstudium Humanmedizin – Medizinische Universität Graz (Mitteilungsblatt 24.06.2026, 41. Stück), 24.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  3. Studienplan Diplomstudium Humanmedizin – Medizinische Universität Innsbruck (Mitteilungsblatt 23.06.2026, 45. Stück), 23.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  4. Bachelor's Degree Program in Human Medicine – Johannes Kepler Universität Linz; abgerufen am 18.10.2026
  5. Masterstudium Humanmedizin – Johannes Kepler Universität Linz; abgerufen am 18.10.2026
  6. Curriculum Diplomstudium Zahnmedizin (konsolidierte Fassung Oktober 2024) – Medizinische Universität Wien; abgerufen am 18.10.2026
  7. Curriculum Diplomstudium Zahnmedizin (Mitteilungsblatt vom 24.06.2026) – Medizinische Universität Graz, 24.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  8. Studienplan Diplomstudium Zahnmedizin (Mitteilungsblatt 46. Stück, 23.06.2026) – Medizinische Universität Innsbruck, 23.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
  9. Bundesärzteordnung, § 3 (Approbation), Fassung bis 31.10.2026 – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, 20.03.2024; abgerufen am 19.10.2026
  10. Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, Anhang V Nr. 5.1.1 (konsolidierte Fassung 29.10.2025) – EUR-Lex, 29.10.2025; abgerufen am 18.10.2026