Methodik: Datenquellen, Rechenweg und Grenzen der Aussagekraft
Von der Redaktion · fachlich geprüft von Hendrik Loll · Stand: 19.10.2026
Der MedAT-Rechner vergleicht einen Gesamtwert mit 25 amtlichen Grenzwerten für Humanmedizin (vier Standorte, fünf Jahre) und fünf für Zahnmedizin in Graz. Diese Seite erklärt, woher jede Zahl stammt, wie wir rechnen und wo die Daten an ihre Grenzen kommen. Fehler oder neue Quellen meldest Du bitte an [email protected].
Datenquellen
Die Grenzwerte stammen aus den Stellungnahmen der Medizinischen Universitäten Wien, Innsbruck und Graz sowie der JKU Linz, die der Anfragebeantwortung 5452/AB XXVIII. GP vom 7. Juli 2026 beiliegen. Die Recherche hat jede Tabellenseite zusätzlich als Bild gegengeprüft. Werte ohne amtliche Quelle verwenden wir nicht. Medienberichte zitieren wir nur, wenn sie als solche gekennzeichnet sind.
Wie der Rechner rechnet
1. Gesamtwert
Laut den Verordnungen über Testinhalte und Testauswertung ist der Testwert jedes Testteils der Anteil richtig gelöster Aufgaben, beim SEK der Mittelwert der drei Aufgabengruppen. Der Gesamtwert ist die gewichtete Summe:
- MedAT-H: 0,4 × BMS + 0,1 × TV + 0,4 × KFF + 0,1 × SEK
- MedAT-Z: 0,4 × BMS + 0,2 × MF + 0,3 × KFF + 0,1 × SEK
Im Modus „Richtige Antworten“ zählt jede Aufgabe innerhalb eines Testteils gleich, weil die Verordnungen den Anteil richtig gelöster Aufgaben des Testteils nennen. Die Aufgabenzahlen stammen aus der offiziellen Unterlage für den MedAT 2026. Soziales Entscheiden und die manuellen Fertigkeiten werden nicht nach richtig/falsch gewertet; dort gibst Du einen Prozentwert ein.
2. Grenzwert je Standort und Jahr
Die Universitäten haben je Jahr den schlechtesten erfolgreichen Gesamtwert für Österreicher, für Bürger anderer EU-Staaten und für Drittstaatsangehörige genannt (Fragen 4 bis 6 der Anfrage) sowie die fünf schlechtesten erfolgreichen Werte insgesamt (Frage 7). Als Grenzwert nehmen wir das Minimum dieser Angaben. Das entspricht dem Verfahren, das die Universitäten beschreiben: eine gemeinsame Rangliste für alle. Wien, Innsbruck und Graz melden Anteile von 0 bis 1, wir multiplizieren mit 100; Linz meldet Prozent. Jahre sind Testjahre, also 2025 für den MedAT im Juli 2025 und das Studienjahr 2025/26.
3. Vergleich und Ampel
Ein Jahr zählt als „gereicht“, wenn der eingegebene Gesamtwert mindestens so hoch ist wie der Grenzwert dieses Jahres. Grün heißt fünf von fünf Jahren, Rot null von fünf, alles dazwischen Gelb. Liegt der Abstand unter 0,1 Prozentpunkten, weist der Rechner auf Rundung und die Gleichstandsregel des Standorts hin.
4. Szenario-Modell
Das Jahresniveau ist der Mittelwert der vier Humanmedizin-Grenzen eines Jahres. Der Standortabstand ist die durchschnittliche Differenz zwischen der Grenze eines Standorts und dem Jahresniveau. Die Szenarien setzen für einen künftigen Jahrgang das niedrigste, das mittlere und das höchste beobachtete Jahresniveau ein und addieren den Standortabstand.
| Testjahr | Jahresniveau |
|---|---|
| 2021 | 75,61 % |
| 2022 | 70,19 % |
| 2023 | 73,24 % |
| 2024 | 66,61 % |
| 2025 | 73,31 % |
| Standort | Abstand | schwer | mittel | leicht |
|---|---|---|---|---|
| Wien | +4,73 | 71,3 | 76,5 | 80,3 |
| Graz | +0,70 | 67,3 | 72,5 | 76,3 |
| Innsbruck | −2,15 | 64,5 | 69,6 | 73,5 |
| Linz | −3,28 | 63,3 | 68,5 | 72,3 |
Was die Daten nicht hergeben
- Keine Wahrscheinlichkeit. Ohne die Verteilung der Ergebnisse, also wie viele Bewerber welchen Wert erreichten, lässt sich keine Zulassungschance berechnen. Der Rechner gibt deshalb nur an, in wie vielen Jahren ein Wert gereicht hätte.
- Endstand statt Ergebnistag. Die Grenzwerte gelten nach Abschluss aller Nachrückverfahren. Wo die Grenze bei der ersten Vergabe lag, ist nicht veröffentlicht.
- Gewidmete Plätze. Für sie gilt eine relative Mindestleistung (besser oder gleich 75 Prozent der am Standort Angetretenen). Den daraus folgenden Prozentwert kennen wir nicht. Die Linzer Werte gelten ausdrücklich nur für reguläre Plätze.
- Zahnmedizin. Amtliche Werte gibt es nur aus Graz. Für Wien und Innsbruck zeigt der Rechner keine Einordnung.
- 2026 und später. Für den MedAT 2026 gibt es keine amtlichen Grenzwerte. Werte aus Umfragen von Kursanbietern oder Foren übernehmen wir nicht.
- Vor 2021. Für 2013 bis 2020 gibt es keine veröffentlichten Grenzwerte je Standort und Jahr. Der Rechnungshof nennt für die Zeit der festen Quoten bis 2017/18 nur pauschal „zumindest einen Score von 75 %“ im Österreich- und EU-Kontingent. Bis 2017/18 galt zudem ein anderes Vergabeverfahren, und der MedAT 2013 hatte eine andere Skala.
- Übungstests. Ergebnisse aus Simulationen sind nicht auf die Skala des echten Tests geeicht.
Widersprüche in den Quellen
Wir glätten nichts. Diese Punkte sind in den amtlichen Dokumenten nicht erklärt:
- Wien 2025: Als schlechtester erfolgreicher Drittstaatsangehöriger wird 79,20 Prozent genannt, unter den fünf schlechtesten Ergebnissen steht aber eine Person mit syrischer Staatsangehörigkeit im Österreich-Kontingent mit 78,84 Prozent.
- Linz 2024: Gleiches Muster, 63,90 Prozent als schlechtester Drittstaatsangehöriger, in der Fünferliste eine Person mit russischer Staatsangehörigkeit mit 63,39 Prozent.
- Innsbruck 2023: Der niedrigste Wert (71,35 Prozent) gehört einer staatenlosen Person im Österreich-Kontingent; der schlechteste Österreicher lag bei 71,43 Prozent. Wir verwenden das Minimum.
- Graz Zahnmedizin 2024: Der schlechteste erfolgreiche EU-Wert liegt unter dem der Österreicher. Das passt dazu, dass es in der Zahnmedizin keine Quote gibt.
- Deutsche Studienanfänger: Fünf der gedruckten Prozentwerte weichen um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte von der Nachrechnung mit den Gesamtzahlen ab. Wir verwenden die gedruckten Werte.
- Wien 2026: Die MedUni Wien meldet 724 Erstsemestrige in Humanmedizin bei 704 Plätzen laut Verordnung. Das passt zur Überbuchung, die das Ministerium beschreibt, wird von der Universität aber nicht begründet.
Änderungsprotokoll
- 19.10.2026 – Erste Version: Grenzwerte 2021–2025 aus der Anfragebeantwortung 5452/AB (Stellungnahmen aller vier Standorte) übernommen, Rechner mit Gewichtung laut Testinhalte-Verordnungen 2026 und Aufgabenzahlen laut VMC-Unterlagen MedAT 2026. (Quelle: Anfragebeantwortung 5452/AB XXVIII. GP zur Anfrage 6059/J „Medizin-Studienplätze in Österreich“)
Quellen
Alle Angaben geprüft am 19.10.2026. Medienberichte sind als solche gekennzeichnet.
- Anfragebeantwortung 5452/AB XXVIII. GP zur Anfrage 6059/J „Medizin-Studienplätze in Österreich“ – Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF), Parlament Österreich, 07.07.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Medizinischen Universität Wien (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Wien, 02.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Medizinischen Universität Innsbruck (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Innsbruck, 02.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Medizinischen Universität Graz (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Medizinische Universität Graz, 01.06.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Stellungnahme der Johannes Kepler Universität Linz (Beilage zu 5452/AB XXVIII. GP) – Johannes Kepler Universität Linz; abgerufen am 18.10.2026
- Anfragebeantwortung 5452/AB XXVIII. GP, Hauptdokument (12 Seiten) – BMFWF, 07.07.2026; abgerufen am 18.10.2026
- Verordnung über die Testinhalte und die Testauswertung MedAT 2026 – Medizinische Universität Wien, Mitteilungsblatt 2025/26, 11. Stück, Nr. 16, 09.12.2025; abgerufen am 18.10.2026
- 87. Verordnung über die Festlegung der Testinhalte und der Testauswertung der Aufnahmetests Humanmedizin und Zahnmedizin ab dem Studienjahr 2024/2025 – Medizinische Universität Innsbruck, Mitteilungsblatt 2023/24, 30. Stück, 07.02.2024; abgerufen am 19.10.2026
- Verordnungen über die Zulassung (RN 61) und die Testinhalte (RN 62) für Human- und Zahnmedizin 2026/27 – Medizinische Universität Graz, Mitteilungsblatt 2025/26, 14. Stück, 17.12.2025; abgerufen am 18.10.2026
- Verordnung über Inhalt und Auswertung des Aufnahmetests MedAT-H für das Studienjahr 2026/27 – Johannes Kepler Universität Linz, Mitteilungsblatt 2026, 4. Stück, Pkt. 38, 28.01.2026; abgerufen am 19.10.2026
- „Zusammensetzung und Dauer der Testteile – MedAT-H 2026“ (offizielle Unterlage im Virtuellen Medizinischen Campus, nach kostenloser Registrierung) – Medizinische Universität Graz, Virtueller Medizinischer Campus (VMC); abgerufen am 19.10.2026
- „Zusammensetzung und Dauer der Testteile – MedAT-Z 2026“ (offizielle Unterlage im Virtuellen Medizinischen Campus, nach kostenloser Registrierung) – Medizinische Universität Graz, Virtueller Medizinischer Campus (VMC); abgerufen am 19.10.2026
- Statistik, Studien und Berichte – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
- Testergebnisse – medizinstudieren.at; abgerufen am 18.10.2026
- Aufnahmeverfahren Human- und Zahnmedizin, Reihe BUND 2020/47 – Rechnungshof Österreich, 01.12.2020; abgerufen am 19.10.2026
- Studienstart für Erstsemestrige an der MedUni Wien – Medizinische Universität Wien, 02.10.2026; abgerufen am 19.10.2026